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Studium: Expectations vs. Reality

Als ich mir vor mittlerweile drei Jahren vornahm zu studieren, flogen in meinem Kopf einige Klischees über das Thema Studium herum. Im Folgenden möchte ich mit meinen Top Five Mythen rund ums Studium aufräumen. Dabei versuche ich zu erklären, mit welchen Erwartungen ich an die Sache herangegangen bin und im Gegensatz dazu, wie ich das Studium nun gegen Ende meines Bachelors wirklich empfinde.

1. Freiheit vs. Freizeit

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist – aber eine der Sachen, die ich an der Schule überhaupt nicht vermisse, ist das frühe Aufstehen. Genauer gesagt: früh aufstehen zu müssen. Deshalb habe ich mich damals nach dem Abi auch unglaublich darüber gefreut, dass es in meinem Studium nur in Ausnahmefällen Anwesenheitspflicht gibt. Das hieß für mich: Studentenleben genießen, feiern gehen an einem Mittwoch, Vorlesung schwänzen am Donnerstag. Was gibt es schöneres, oder nicht?

Nun ja, als ich dann im Laufe des ersten Semesters merkte, wie viel ich pro Fach zu tun haben würde, wurde ich eines besseren belehrt. Und die Tatsache, dass ich die ein oder andere Vorlesung verpasst und auch zu Hause nicht genug nachgearbeitet habe, hat mir in dieser Situation nicht wirklich weitergeholfen. Ich kann euch also nur dazu raten, die Lehrveranstaltungen als Möglichkeit zu sehen, den Stoff einmal erklärt zu bekommen. Sollte dies mal nicht klappen, ist das aber auch kein Beinbruch. Wichtig ist es dann, regelmäßig zu Hause oder in der Bibliothek nachzuarbeiten, was ihr verpasst habt. Oder wie war das nochmal mit der Arbeit und dem Vergnügen?

Freiheit ist eben nicht gleich Freizeit. Freiheit bedeutet in diesem Fall nur, dass ihr euch eigenständig eure Freizeit einteilen könnt und selbst entscheiden könnt, wann ihr lernt, nicht ob ihr lernt.

2. Lernen lernen

Ich selbst hatte wenige Probleme damit, in der Schule gute Noten zu schreiben, und das mit – wie soll ich das sagen – äußerst moderatem Lernaufwand. Ich würde auch von mir behaupten, dass ich in der Schule einige Dinge gelernt habe, aus allen möglichen Bereichen. Was ich in der Schule allerdings nicht gelernt habe, ist zu lernen.

Als ich mich in der Uni einschrieb und mir online die Module für das kommende Semester durchlas, fand ich im Onlineportal meiner Uni einen E-Kurs mit dem Namen “Lernen lernen”. Die Empfehlung war, diesen vor dem Semesterstart mal gemacht zu haben. Also fing ich an, diesen durchzuarbeiten, las das ein oder andere darüber, wie effektiv das Lernen mit Karteikarten und wie wichtig die Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen sei. Vor allem aber, dass man bloß nicht, ich wiederhole, bloß nicht, erst am Ende der Vorlesungszeit anfangen solle zu lernen. Ich kann also nicht behaupten, ich sei vorher nicht gewarnt worden.
Und trotzdem sollte ich die Menge an Stoff pro Fach gnadenlos unterschätzen. Obwohl ich immerhin fünf Wochen vor dem Klausurtermin anfing zu lernen, schaffte ich es nicht, die Noten zu erreichen, die ich mir als Ziel gesetzt hatte.

Ich kann also nicht genug darauf hinweisen wie wichtig es ist ein gesundes Maß an Respekt vor dem Lernaufwand mitzubringen. Gerade in den ersten ein oder zwei Semestern eher ein bisschen zu viel zu lernen als zu wenig. Mit der Zeit habt ihr dann hoffentlich euren individuellen Lernrhythmus gefunden, oder eben kurz gesagt: das Lernen erlernt.

3. Biochemie und Buchführung

Ich glaube das hier ist ein relativ banaler Punkt, trotzdem war er mir vor meinem Studium nicht so richtig klar. Deshalb finde ich, dass er auf jeden Fall in diesem Artikel eine Erwähnung verdient hat.
Bei meiner Studienwahl war eine Frage, die ich mir häufig stellte, ob ich die Inhalte eines bestimmten Studiengangs wirklich interessant finden würde. Und wirklich viele Fächer schieden wegen dieser Frage aus. Zum Beispiel entschloss ich mich gegen ein Psychologiestudium, weil ich mir mich nicht vorstellen konnte, wie ich die biochemischen Prozesse im menschlichen Gehirn pauken würde. Und das, obwohl ich das Thema Psychologie an sich super interessant finde. Ich ließ mich also von einem Teilbereich der Psychologie so abschrecken, dass ich mich gegen das komplette Fach entschied.

Als ich mich dann dazu entschloss BWL zu studieren, dachte ich, dass es hier nichts gäbe, was ich für mich als überhaupt nicht relevant eingestuft hätte. Ich war eben noch jung und naiv…
Denn in jedem Studiengang findet man Dinge, die man spannend findet. In anderen Teilbereichen will man die Klausur einfach nur hinter sich haben und nie wieder darüber nachdenken (bei mir war es Buchführung). In meinen Augen geht es nicht darum, alles an einem Fach zu mögen, sondern das herauszufiltern, worin man sich am ehesten wiederfindet. Darüber kann man dann so viel lernen wie es nur geht. Und der Rest, den man vielleicht auf den ersten Blick als nicht interessant einstuft, bietet meistens auch noch den ein oder anderen Blickwinkel, an den man vorher nicht gedacht hätte.

4. Allein, allein

Leistungskurse, große Pause, Freistunden. Mündliche Noten, Gruppenarbeiten, Referate. All diese Sachen aus der Schulzeit halfen uns dabei, ob freiwillig oder unfreiwillig, das Gespräch mit unseren Mitschülern zu suchen, uns am Unterricht zu beteiligen oder – allgemeiner ausgedrückt – miteinander zu interagieren.

Sobald ihr euch aber an der Uni einschreibt, seid ihr auf euch allein gestellt. Das muss gar nicht unbedingt negativ sein, das bedeutet nur, dass ihr über euren eigenen Schatten springen werden und auf Leute zugehen müsst. Nur so könnt ihr Anschluss zu finden. Nutzt die Orientierungswoche am Anfang des Studiums, um neue Leute kennenzulernen. Mit denen könnt ihr in den ersten Semestern den ein oder anderen Kurs belegen, Lerngruppen bilden und in die Mensa gehen. Oder ihr tretet Gruppen in diversen sozialen Netzwerken bei, in denen ihr euch mit Kommiliton*innen austauschen könnt. Denn so ein Studium komplett im Alleingang erfolgreich und vor allem mit Spaß zu absolvieren, stelle ich mir unglaublich schwierig vor.

Man muss sich anfangs schon sehr dran gewöhnen, nur auf eine Matrikelnummer beschränkt zu werden. Man hat mit so gut wie keinem Mitarbeiter der Uni persönlich Kontakt. Auch die mündliche Mitarbeit in der Vorlesung beschränkt sich aufs Fragen stellen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Deshalb ist es umso schöner, wenn man in den Vorlesungen wenigstens neben vertrauten Gesichtern sitzt. Geteiltes Leid ist halbes Leid, nicht wahr?

5. Dumm und dümmerer

Gerade bei den Studiengängen mit einem hohen NC oder schwierigem Auswahlverfahren könnte man meinen, dass man als vielleicht “nur durchschnittlicher” Schüler*in in der Konkurrenz aus hoch talentierten Kommiliton*innen und genialen Dozent*innen untergeht. Auch hier wurde ich eines Besseren belehrt: nicht jeder in der Uni ist automatisch hochbegabt.

Es ist kein Problem, im zweiten Semester nicht mehr zu wissen wie sich nochmal die Steigung einer Gerade berechnet. Man ist garantiert nicht der einzige. Und wenn du denkst, dass deine Frage eigentlich schon peinlich war, gibt es garantiert die ein oder andere Person, die sich immer noch dümmer anstellt. Auch die Professoren, Dozenten oder Tutoren sind nicht immer gleich verrückte Wissenschaftler oder allwissend, im Gegenteil. Nicht selten muss man sich, gerade in den Übungen, mit der Antwort “das ist halt einfach so” zufrieden stellen. Lass dich also von den vermeintlich hohen Ansprüchen und starker Konkurrenz nicht abschrecken. Wie heißt es so schön: die anderen kochen auch nur mit Wasser.

Fazit

Dieser Artikel ist weniger dazu da, euch davor zu warnen, was in der Uni alles schieflaufen kann, als euch zu ermutigen, die Zeit mit all ihren Vor- und Nachteilen zu genießen. Mit einem gesunden Maß an Spaß am Studentenleben, Selbstbewusstsein und Zielstrebigkeit steht eurem Studium nichts mehr im Weg. Wer hätte gedacht, dass an all diesen Sprichwörtern, die wir von unseren Eltern oder Lehrern gehört haben, etwas Wahres dran ist?

Ich bin Nic, 21 Jahre alt und studiere BWL mit Schwerpunkt Supply Chain Management an der Uni Köln. Während des Studiums habe ich ein Auslandspraktikum in den USA absolviert.

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