Bologna-Reform
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Die Bologna-Reform

Wenn deine Eltern studiert haben, wirst du der Frage wahrscheinlich schon oft begegnet sein, warum du nicht mehr auf Diplom oder Magister studieren kannst oder wann denn dein Grundstudium vorbei sei. Hier findest du die Infos, die du brauchst, um die wichtigsten Veränderungen bei der Studienorganisation durch die Bologna-Reform in den letzten Jahren zu erklären.

Die Ziele der Reform

Der Bologna-Prozess hatte drei Hauptziele: die Mobilität von Studierenden zu fördern, also Möglichkeiten zu schaffen, zwischen Unis und Ländern zu wechseln, Studiengänge so zu gestalten, dass Studierende beschäftigungsfähig sind und dass Studiengänge international wettbewerbsfähig sind. Drüber hinaus gibt es noch eine Reihe von Unterzielen, zum Beispiel die Schaffung von vergleichbaren Studienabschlüssen oder Förderung der Beteiligung von Studierenden in den Strukturen der Unis.

Um diese Ziele zu erreichen, wurden die Studiengänge auf europäischer Ebene durch die Bologna-Reform vereinheitlicht. Inzwischen haben 47 europäische Staaten ihre Bildungssysteme so angepasst, dass Studiengänge einheitlich sind und mit ECTS „vergütet“ werden, wobei der Arbeitsaufwand für einen Credit klar definiert ist. Dadurch sollen Wechsel zwischen Unis erleichtert werden, weil Transparenz besteht, wer sich wie lange mit welchem Inhalt auseinandergesetzt hat. Überhaupt wurde die Aufteilung in Bachelor- und konsekutiven Masterstudiengang erst durch die Reform eingeführt. Seitdem gibt es keine Magister- oder Diplomstudiengänge mehr. Die einzige Alternative zu Bachelor oder Master bleiben Staatsexamen, z.B. in Jura oder Medizin.

Darüber hinaus sind Studiengänge in Module aufgeteilt, was das Wechseln zwischen Studiengängen erleichtern soll, denn somit kann man sich Module aus vorherigen Studiengängen anrechnen lassen, weil man sich sicher sein kann, dass die gleichen Inhalte gelehrt wurden.

Kritik am Prozess

So viel zumindest du den Zielen. Seit den ersten Plänen und besonders nach der Einführung beklagen Kritiker der Reform eine „Verschulung“ der Universitäten, die mit der Reform einherging. Damit meinen sie, dass die Präsenzzeiten in der Uni länger geworden sind und somit weniger Zeit bleibt, selbst Inhalte zu entdecken und selbstständig zu lernen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass durch das ECTS Studiengänge auf dem Papier zwar vergleichbar sind, in der Praxis sind Studiengänge dann aber so kleinteilig aufgebaut, dass die Credits bei einem Uniwechsel wenig aussagekräftig sind und man im Zweifel noch immer die Studienordnungen vergleichen muss.

Fazit

Wie so vieles hat auch die Bologna-Reform positive und negative Aspekte. Auf der einen Seite eine massive Zunahme von Erasmus-Studierenden in den letzten 20 Jahren (von 15.000 auf 40.000), aber auf der anderen Seite gibt es fast zehn Jahre nach der Einführung der Reform noch immer Probleme mit der Vergleichbarkeit von Studiengängen. Wie man eine „Verschulung“ von Unis findet, ist natürlich Ansichtssache. Letztlich sollte man einfach das beste aus der eigenen Studienzeit machen, denn ändern wird sich das System in naher Zukunft wohl nicht. Und was man aus den Umständen macht, ist jeder und jedem selbst überlassen.

Ich bin Noah, 21 Jahre alt und studiere Politikwissenschaft in Berlin. Nach meinem Abitur 2016 habe ich einige Monate gearbeitet, um mir eine Reise nach Südostasien und Neuseeland zu finanzieren.

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