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Freunde finden leicht gemacht

Wer von der Schule an die Uni wechselt, womöglich noch in einer anderen Stadt, hat vermutlich automatisch den Gedanken daran, was aus dem sozialen Umfeld wird. Was passiert mit dem Freundeskreis, wenn man sich nicht mehr selbstverständlich jeden Tag in der Uni sieht? Eigentlich ist die Sorge nach dem Verlust völlig irrational, denn in unserer Zeit ist es so leicht wie nie, zu kommunizieren – auch über lange Distanzen. Außerdem werden Transportmittel immer billiger, man kann ohne Weiteres quer durch Deutschland fahren oder fliegen, wenn man auf etwas Komfort verzichtet oder auch unter der Woche fahren kann (mehr Reisetipps gibt es hier). Doch das sind natürlich keine Argumente, die die Ungewissheit nehmen. Schließlich möchte man nicht nur den alten Freundeskreis so gut es geht bewahren, sondern auch neue Leute kennenlernen.

Die Uni als Partner- und Freundesbörse

Es ist natürlich leichter gesagt als getan, aber du musst dir in den seltensten Fällen Sorgen darum machen, jemanden kennenzulernen. Universitäten sind die besten Partner- und Freundesbörsen, viel älter und besser als Tinder. Das liegt schlicht daran, dass man jedes Semester neue Leute kennenlernt: Man hat alle sechs Monate neue Seminare und Vorlesungen und damit auch jedes Semester potentielle neue Sitznachbarn, macht neue Vorträge mit Kommilitoninnen und lernt in neuen Lerngruppen. Natürlich ist das leicht übertrieben, denn man sieht ja auch bekannte Menschen wieder und nicht mit jedem Kommilitonen macht die Vortragsvorbereitung so viel Spaß, dass man zu besten Freunden wird. Trotzdem lauern überall Berührungspunkte, bei denen man kein Small-Talk-Profi sein muss, um mit anderen ins Gespräch zu kommen und sich kennenzulernen.

Das Nonplusultra für’s Freunde finden: Die O-Woche

Aber natürlich willst du ja gerade zu Beginn neue Leute kennenlernen, mit denen man die Uni gemeinsam entdecken kann. Wie genau Module gewählt werden, die Prüfungsordnung zu verstehen ist und die Vorbereitung auf die ersten Klausuren fällt in einer Gruppe nunmal leichter als allein. Das haben zum Glück auch die Universitäten verstanden, deshalb ist die O-Woche zur Tradition geworden. O-Woche steht für Orientierungswoche und meint die erste Uniwoche für Erstsemester, in der viel Programm angeboten wird. Besonders das gegenseitige Kennenlernen steht im Vordergrund, es werden dafür oft Stadtrallys und Führungen über den Campus angeboten. Besonders in dieser Zeit wirst du unglaublich viele neue, spannende Menschen kennenlernen.

Selbst wenn du sonst schüchtern bist, kannst du dir sicher sein, dort ins Gespräch zu kommen. Jede und jeder hat ein Interesse daran, Anschluss in der Uni zu finden, ob alteingesessene Großstädterin oder Zugezogener vom Dorf. Das wichtigste ist, sich immer wieder aufzuraffen und an den angebotenen Aktivitäten teilzunehmen. Natürlich haben die wenigsten Lust, nach einer Woche der immer gleichen Kennenlernspiele und Selbstvorstellung zum achten Mal abends in eine Kneipe zu gehen – doch gerade am Anfang lohnt es sich, den inneren Schweinehund zu überwinden. Denn je öfter man unter neuen Leuten ist, desto größer sind die Chancen auch Kontakte zu knüpfen, die sich zu Freundschaften entwickeln. Deshalb macht es auch Sinn, auf mehr als einem Weg neue Leute kennenzulernen. Wenn du in eine neue Stadt ziehst, musst du ja in den allermeisten Fällen ein soziales Umfeld von Grund auf neu aufbauen.

Andere Möglichkeiten

Aber dafür bist du natürlich nicht nur auf die Uni angewiesen, denn es gibt noch viele weitere Möglichkeiten: Sportvereine (alternativ auch Unisport), Parteien, Kirchen, Studenteninitiativen usw. Das hat auch den Vorteil, dass dein neues Umfeld nicht nur aus Kommilitoninnen und Kommilitonen besteht. Und fachfremde Einflüsse können nie schaden. Die Grundlage bei alledem ist, dass du Gelegenheiten bietest in Kontakt zu Leuten zu kommen. Wer nur zuhause sitzt und in der Uni immer mit Kopfhörern unterwegs ist, wird wohl kaum von anderen angesprochen. Anders ist es, wenn du in der Mensa isst, in die Bib gehst usw. Du kannst dir auch kleine Herausforderungen setzen, z.B. jeden Tag mit einer neuen Person zu sprechen.

Wichtig ist aber auch, dass du dir keinen Druck machst, wenn du nach den ersten Wochen noch keine festen Freundschaften hast. Natürlich braucht es immer eine Zeit lang, bis sich man sich auf andere einlässt. Auch wenn du nach den ersten Wochen, Monaten oder sogar dem ersten Semester noch keinen festen Freundeskreis gefunden hat, ist das kein Grund zur Sorge. Versuche, bestehende Kontakte zu vertiefen und weiterhin neue Kontakte zu finden.

Und was ist mit den alten Freunden?

Das kommt ganz auf dich selbst an! Am Anfang ist es sicherlich schwierig herauszufinden, wie man Kontakt zueinander hält. Manche Freundschaften brauchen viel Pflege, um andere musst du dich kaum kümmern und sobald man sich sieht, ist alles beim Alten. Es kann helfen, offen über diese Problematik zu sprechen, wenn du dir unsicher bist. Aber durch WhatsApp, Skype und Co. gibt es viele Möglichkeiten, sich auszutauschen und gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Die wichtigsten Freundschaften werden von ganz allein bestehen bleiben, unabhängig davon, ob ihr jede Woche drei Stunden telefoniert oder euch nur in den Semesterferien seht – sonst wären sie keine wichtigen Freundschaften. Natürlich ist es schade, wenn man nette Leute aus dem Blick verliert. Aber vielleicht ist es auch okay, sich weniger zu sehen oder irgendwann gar nicht mehr. Das schöne dabei ist, dass du es zum großen Teil selbst in der Hand hast. Wenn du dich oft bei anderen meldest, bleibt die Freundschaft schon bestehen. Und wenn nicht ist es schade, aber wohl auch besser so.

Ich bin Noah, 21 Jahre alt und studiere Politikwissenschaft in Berlin. Nach meinem Abitur 2016 habe ich einige Monate gearbeitet, um mir eine Reise nach Südostasien und Neuseeland zu finanzieren.

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