Reisen

Interrail-ein Erfahrungsbericht

Hier berichtet Lilly über ihre Erfahrungen, die sie auf einer Interrail-Reise durch Europa gemacht hat. Sie hat 2018 Abi gemacht und für 2019
einen Trip nach Neuseeland geplant. Danach geht es mit ihrem Dualen Studium losgeht.


Auf die Frage wie es nach dem Abi denn weitergehen soll, lautet bekanntlich nicht selten die Antwort: „Keine Ahnung, erst mal ein bisschen reisen oder so“. Aber gleich 10 Monate nach Australien zu verschwinden ist eben auch nicht für jeden das Richtige. Wie wäre es stattdessen mit Interrail? Interrail, genauer gesagt ein Interrail Global Pass, macht es möglich, bis zu drei Monate lang ganz Europa mit dem Zug bereisen – perfekt also auch, wenn ihr gerne direkt nach dem Abi ins Studium starten, aber trotzdem vorher ein bisschen von der Welt sehen möchtet. Es gibt zahlreiche Varianten der Interrail Pässe, die auf der Website sehr übersichtlich gelistet sind. Dort findet ihr sicher den passenden für euch.

Routenplanung

Wir haben uns für den Global Pass mit 10 Reisetagen innerhalb von vier Wochen entschieden, was im Nachhinein die perfekte Wahl war. Bei der Auswahl der Route habt ihr natürlich freie Wahl, uns hat es nach Südeuropa verschlagen. Wenige Stunden nach unserer mündlichen Abiprüfung stiegen wir also am 18.Mai 2018 zu viert in einen Nachtzug nach Innsbruck und erreichten viele Stunden später unser erstes Ziel: Verona in Norditalien. Letztendlich besuchten wir insgesamt 10 Orte in 28 Tagen: Verona, Pisa, Genua, Nizza (mit einem Abstecher nach Monte Carlo), St Tropez, Montpellier, Barcelona, St Jean De Luz, Paris und Amsterdam. Meist haben wir nur wenige Tage voraus geplant und spontan entschieden, welches Ziel als nächstes in Frage kommt. In den letzten ein bis zwei Wochen wurde gezwungenermaßen nur noch improvisiert, sodass wir an einigen Orten eher aus Versehen landeten – ausländische Züge sind leider ähnlich zuverlässig wie die Deutsche Bahn.

Ich persönlich würde es beim nächsten Mal genauso machen: Vor Ort planen und den Verlauf der Reise auf sich zukommen lassen. Auch wenn das natürlich mehr Flexibilität voraussetzt und den ein oder anderen Nerv kosten kann. Wer mag, kann die Route selbstverständlich schon vorher festlegen und buchen.

Zur Planung der Strecken kann ich euch die Railplanner App sehr ans Herz legen, dort sind auch offline alle verfügbaren Züge abrufbar. Darüber hinaus zeigt sie euch an, welche Züge ihr kostenfrei nutzen dürft, da für manche trotz Interrail Ticket eine Reservierung und damit eine zusätzliche Gebühr Pflicht ist. Sie beläuft sich je nach Strecke auf etwa 5 bis 30€. Wie man online reservieren kann haben wir leider bis zum Schluss nicht verstanden Der Infoschalter kurz vor Abfahrt tut’s aber auch.

Budgetplanung

Euer Budget und die Ausrüstung sollten sich natürlich nach euren persönlichen Reisevorstellungen richten. Wohin möchtet ihr reisen, welche Preisverhältnisse gelten dort? Plant ihr, auf Campingplätzen, oder in Hostels/ Appartements zu übernachten? Südeuropa ist natürlich eines der teureren Ziele, zumal besonders in Frankreich viele Züge reservierungs- und damit gebührenpflichtig sind. Wir haben meist trotzdem darauf verzichtet, das kann natürlich auch nach hinten losgehen. Insgesamt lag unser Budget für vier Wochen bei 1000€ (plus Interrail Ticket für 300€), letztendlich sind wir mit etwa 700€ hingekommen. Dazu sei aber gesagt, dass wir überwiegend gecampt, und uns insbesondere beim Essen auf das Allernötigste beschränkt haben. Unser Tiefpunkt war wahrscheinlich die Nudelsoße aus Balsamico und Fonduekäse.

Das Gepäck

Zum Gepäck – wir sind alle vier mit Rucksäcken gereist und hatten eine vollständige Campingausrüstung dabei (schaut euch mal bei Decathlon um!). Unverzichtbare Begleiter waren übrigens Microfaserhandtücher, reichlich Müll- und Zippbeutel und Panzertape. Dabei gilt natürlich: Nur so viel einpacken, wie ihr auch wirklich tragen könnt! Ich persönlich war mit meinen drei Oberteilen vorhersehbarerweise etwas zu sparsam, im Endeffekt musste ich jeden Tag im selben T-Shirt rumlaufen und bin beim Campen in Amsterdam fünf gefühlte Kältetode gestorben. Meine Notiz an mich fürs nächste Mal also: Wenn die Route ungewiss ist, lieber für jede Wetterlage einpacken. Außerdem immer eine Kopie vom Perso und eine zweite Kreditkarte mitnehmen, die können auch mal verloren gehen…

Fazit

Insgesamt waren wir alle vier begeistert von unserer Reise und vom Interrail Konzept, ich werde es definitiv bald nochmal machen. Klar, das ständige Zug fahren, der Verzicht auf Komfort und die kleinen Problemchen die gezwungenermaßen auftauchen – ausfallende Züge, seltsame Zimmergenossen, das ratlose rumlungern am Bahnhof – haben mir manchmal einiges abverlangt. Aber das war es rundum wert. Am besten hat mir die vollkommene Unabhängigkeit und in gewisser Weise auch Ungewissheit gefallen, jeden Tag ein neuer Ort, je nach Lust und Laune.

Für den ein oder anderen steht vielleicht noch die Frage im Raum: Wieso eigentlich Europa bereisen? Wenn es nach dem Abi ins Ausland geht, dann meistens am liebsten so weit weg wie nur möglich. Ich persönlich habe festgestellt, dass ich einfach vergessen habe, wie viel unsere Nachbarländer zu bieten haben, sei es Kultur oder Natur, und das in unendlicher Vielfalt. Wenn man kreuz und quer mit einem Rucksack durch ein Land fährt, lernt man es natürlich auf eine viel persönlichere und spannendere Art und Weise kennen, als beim Strandurlaub mit den Eltern. Vor allem aber ist es ein unglaublicher Luxus, die verschiedensten Länder und Kulturen innerhalb weniger Zugstunden uneingeschränkt und ohne Grenzkontrollen bereisen zu können. Ich finde das sollten wir nicht ungenutzt lassen, es lohnt sich gerade jetzt unsere Nachbarn besser kennen zulernen.

Übrigens: Die Europäische Union verlost regelmäßig kostenlose Interrailpässe an EU-Bürger ab 18. Die Chancen stehen wegen der geringen Teilnehmerzahlen recht gut, versucht euer Glück!

Mehr Informationen zu der Verlosung findest du hier: https://europa.eu/youth/discovereu_de

Wie die Railplanner App genau funktioniert, findest du hier: https://www.eurail.com/en/plan-your-trip/rail-planner-app

Du hast selbst schon Erfahrungen nach dem Abitur gemacht die anderen helfen könnten und möchtest diese teilen? Egal ob reisen, arbeiten, studieren oder eine Ausbildung: melde dich gerne bei uns per Email unter content@unime.academy, über Whatsapp unter 0163 4442181 oder allen Social Media Kanälen (Links findest ganz oben auf der Seite). Für Gastbeiträge zahlen wir eine Aufwandsentschädigung von bis zu 10€!

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